La Royal Blau Brautmutterkleider Marie Abschlussballkleider Ballkleider Spitze Braut Langes Abendkleider qZw1xrOqa La Royal Blau Brautmutterkleider Marie Abschlussballkleider Ballkleider Spitze Braut Langes Abendkleider qZw1xrOqa La Royal Blau Brautmutterkleider Marie Abschlussballkleider Ballkleider Spitze Braut Langes Abendkleider qZw1xrOqa La Royal Blau Brautmutterkleider Marie Abschlussballkleider Ballkleider Spitze Braut Langes Abendkleider qZw1xrOqa
Marie Royal Spitze Ballkleider Brautmutterkleider Langes Abschlussballkleider Abendkleider La Blau Braut
Blau Marie Ballkleider Langes Braut Royal Abendkleider Brautmutterkleider Spitze Abschlussballkleider La
  1. Home
  2. Print
  3. WELT KOMPAKT
  4. Lifestyle
  5. La Royal Blau Brautmutterkleider Marie Abschlussballkleider Ballkleider Spitze Braut Langes Abendkleider qZw1xrOqa

Lifestyle

Makellos ist langweilig

| Lesedauer: 4 Minuten
Warum unsere Wohnungen nicht perfekt eingerichtet sein müssen

Der Mensch mag es gerne, wenn Dinge erledigt sind. Abgearbeitet. Geschafft. Endlich von der To-Do-Liste. Das Unfertige wiederum genießt in der Gesellschaft keinen guten Ruf. Es klingt chaotisch, faul, dissonant – man könnte auch sagen: unvollkommen. Und diesen Zustand zu überwinden ist nun einmal seit jeher eine wesentliche Triebfeder menschlichen Strebens.

Dieses Prinzip gilt auch für die eigenen vier Wände – das ist ja das Perfide am Eskapismus unserer Tage: Wenn sich Weltflucht in die Leistungsgesellschaft mischt, mag einen das zwar eine Zeit lang erfolgreich vom Unheil und Chaos dieser Erde entbinden; in den eigenen vier Wänden wiederum steigt der Druck. Egal, ob man nun einen eklektischen Mid-Century-Stil bevorzugt, sich vom skandinavischen Hygge-Stil einmummeln lässt oder nach wie vor dem Landhausstil frönt - es soll möglichst perfekt aussehen.

Im neuen Jahr soll ohnehin alles schöner, besser und gesünder werden. Und nun, wo das schmeichelnde, weihnachtliche Kerzenlicht einmal erloschen ist, nimmt man plötzlich Makel oder Versäumnisse wahr, die man erfolgreich verdrängt hat: Zum Beispiel, dass man im letzten Januar zwar voller Elan einen geschmackvollen Schoner für das Bügelbrett gekauft hat, im Dezember statt der opulenten Wohnzimmerleuchte aber immer noch eine nackte Glühbirne von der Decke baumelt.

Und am Ende liegt man dann da auf dem (immer noch Ikea-)Bett und wischt sich mit glasigem Blick auf Instagram durch Wohnungen, in denen die Blumen nicht vom Markt kommen, sondern von Floral Designern einzeln kuratiert worden sind und fragt sich, wie es sich wohl anfühlt, wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag erst einmal ermattet in das flauschige Cremeweiß eines Jean Royère-Sofas sinkt (selbstverständlich noch mit monochrom abgestimmten Céline-Pumps an den Füßen) oder bei einer Dinner-Einladung, die Gäste nach dem Essen in eine Sitzgruppe von Poul Kjærholm bitten kann.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Solche Gedanken führen zu nichts. Im Gegenteil, sie machen nur schlechte Laune und hemmen den Blick für das Wesentliche: Dieses Jahr soll alles besser werden? Ja, unbedingt - aber auch ehrlicher. Darum zum Jahresbeginn drei Gedanken zur Einrichtung, ein Plädoyer für eine wohltuende Design-Katharsis.

Unser Geschmack verändert sich immer wieder. Eine Weisheit, die zwar zweifellos jeden kurzfristigen Spaß verdirbt, aber leider nicht ganz unwahr ist: Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn man Geld nicht immer ad hoc zur Verfügung hat oder nach einem anstrengenden Umzug erst einmal die Priorität auf den Urlaub verlagert: Wollte man vor zwei Jahren eventuell noch sein ganzes Hab und Gut für einen schwedischen Bauernschrank aus dem 18. Jahrhundert verschleudern oder plante für die Küchenwände ein fahles Aschgrau, schielt man heute eventuell auf das kunterbunte Bücherregal von Ettore Sottsass oder auf eine ätherisch anmutende Pendelleuchte von Bocci.

Kinder verändern nicht nur das Leben, sondern auch die eigene Wohnung. Wo man früher noch über eine kostbare Venini-Vase oder eine formschöne, aber unbequeme Bank von Ilmari Tapiovaara nachgedacht hat, grübelt man plötzlich über waschbare Teppiche und selektiert Sofas in erster Linie nach ihrer Sitztiefe, und nicht nach ihrem Namen. Oder aber man verliebt sich neu und der neue Partner hat eine unerwartete Schwäche für den Neo-Brutalismus oder man zieht schlichtweg um – in beiden Fällen gilt es, neu zu arrangieren und statt des lang ersehnten 60er-Jahre Teak-Sideboards eignen sich als Pendant plötzlich vielleicht eher romantische englische Blumenstoffe oder ein Beistelltisch von Konstantin Grcic.

In fertigen Wohnungen kann man nicht mehr überraschen. Dabei sind die eigenen vier Wände immer auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit – und die entwickelt sich ja schließlich auch stetig weiter und ist nicht zu einem Zeitpunkt schlagartig fertig. Ist es nicht schön, wenn das Bild im Flur an den ersten gemeinsamen Liebesausflug nach Paris erinnert, um ein Sofakissen auf einem Markt in Marrakesch mehrere Stunden gerungen wurde oder man bei der Lampe aus Florenz acht Autostunden gezittert hat, ob sie den Transport auch heile übersteht?

Möbel offenbaren immer auch Facetten des eigenen Charakters. Klar, das wirkt chaotischer und erfordert mehr Mut als die vollendete Aneinanderreihung großer Designklassiker, aber gerade das macht Wohnungen eben auch spannend. Und vielleicht steht neben der Lampe vom florentinischen Flohmarkt eines Tages dann doch plötzlich ein bauchiges, cremeweißes Sofa von Jean Royère oder das marokkanische Kissen liegt auf einem Sessel von Poul Kjærholm – Hauptsache, nicht zu perfekt. Mit makellosen Wohnungen ist es wie mit makellosen Menschen: Sie wirken langweilig!